top of page

Bautechnikgeschichtliche Bedeutung I

Einzigartige Vorläufer des Zürcher Sichtbackstein-Booms 1883 – 1914

Am Institut für Denkmalpflege und historische Bauforschung der ETH Zürich wurde in den vergangenen Jahren der sogenannte Zürcher Sichtbackstein-Boom der Jahre 1883 bis 1914 erforscht. In diesem Zusammenhang erschienen mehrere gewichtige Publikationen. 2022 widmete die Stadt Zürich dem Thema im Haus zum Rech die Ausstellung «Backsteinstadt Zürich».

Georg Lasius studierte zunächst bei Conrad Wilhelm Hase, dem Begründer der Hannoverschen Backstein-Neugotik, bevor er seine Ausbildung bei Gottfried Semper am Eidgenössischen Polytechnikum fortsetzte, sich später dort habilitierte und zum Professor berufen wurde. Ein programmatisches Diktum seines Lehrers Hase lautete: «Putz ist Lüge!»

Mit der Erfindung der Strangpresse und des Ringofens entwickelte sich der Backstein in Deutschland zunehmend zu einem industriell gefertigten Hightech-Baustoff – eine Entwicklung, die den Professor für Baukonstruktionslehre Georg Lasius offensichtlich nachhaltig faszinierte.

Bis in die 1880er-Jahre hinein waren in Zürich Bruchsteine das bevorzugte Material für Mauern und Wände. Zwar bestanden am Fusse des Uetlibergs bereits Ziegeleien, doch produzierten diese vorwiegend Dachziegel.

Als eigentliche Auslöser des Zürcher Sichtbackstein-Booms gelten die Architekturprofessoren Georg Lasius und Alfred Friedrich Bluntschli mit dem von ihnen entworfenen ETH-Chemiegebäude (1883–1886). Die schlichte Sichtbacksteinfassade stiess zunächst auf heftige Kritik: Im Ständerat wurde beanstandet, der Ziegelbau gereiche nicht eben zur Zierde. Lasius und Bluntschli sahen sich daraufhin veranlasst, die Materialwahl in der Schweizerischen Bauzeitung öffentlich zu verteidigen.

Bei privaten Bauherrschaften hingegen fanden die Sichtbacksteinfassaden des ETH-Chemiegebäudes rasch Anklang. In der Folge entstanden bis 1914 rund 1000 Bauten in Sichtbackstein, die das Zürcher Stadtbild bis heute prägen.

Bereits 1876, acht Jahre vor dem ETH-Chemiegebäude, errichtete Georg Lasius sein Wohn- und Experimentalhaus «Auf der Hoeh’» vollständig aus Hohllochziegeln – einem in Zürich damals noch ungewöhnlichen Baumaterial. An den Ecken blieb das Mauerwerk unverputzt; der Backstein trat bewusst sichtbar hervor.

Gemäss Gutachten der ETH Zürich gelten die Bauten von Lasius an der Freiestrasse 134 und 138 als «einzigartige Vorläufer des Zürcher Sichtbackstein-Booms».

An News zu den Häusern interessiert?

Quartierverein Hirslanden
Postfach
8032 Zürich

 

© 2026 by Quartierverein Hirslanden. 

 

bottom of page